Startseite



      L. Fleck
          Ludwik Fleck
          Biografie
          Begriffe
          Dia-Show
          Lemberg, Auschwitz, Buchenwald

Ludwik Fleck

Ludwik Fleck (1896-1961) gilt mittlerweile als Klassiker der modernen Wissenschaftsforschung, eine Einschätzung, die ihm zu Lebzeiten auch nicht annähernd zuteil wurde und die ihn – könnte er sie jetzt hören – sicher sehr amüsiert hätte.

Aufgewachsen im polnischen Lwów (Lemberg) und gebildet durch das bemerkenswerte intellektuelle Klima, das diese galizische Stadt der ehemaligen Donaumonarchie auszeichnete, beteiligte sich Fleck, der Zeit seines Lebens als Laborarzt und Bakteriologe arbeitete, in den 1920er Jahren an den medizin- und wissenschaftstheoretischen  Krisendebatten seiner Zeit, bevor er 1935 eine Monographie über die ‚Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache’ vorlegte. In diesem lebendigen und unkonventionellen Buch entwirft Fleck am Beispiel einer medizinhistorischen Fallstudie, inspiriert durch wichtige intellektuelle Auseinandersetzungen u.a. mit dem Wiener Kreis, die Lehre vom ‚Denkstil’ und ‚Denkkollektiv’, die ihn als einen Begründer der soziologischen Wissenschaftsforschung ausweist.

Rezipiert wurden seine Ideen erst nach einer erheblichen Latenzzeit, angestoßen durch Kuhns Buch über ‚Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen’, das1962, ein Jahr nach Flecks Tod, erschien. Flecks Einfluss auf Kuhns relativistische Perspektive wird dort zumindest im Vorwort erwähnt. Die englische Übersetzung (1979) und die deutschsprachige Neuauflage (1980) von Flecks Monographie markieren den Zeitpunkt, an dem sich die Wissenschaftsforschung intensiv den Materialitäten und Praktiken des wissenschaftlichen Forschungsprozesses zuwandte.

In der Latenz, der verzögerten Rezeption der Fleckschen Ideen, erscheint das Trauma des – in Holocaust und Weltkrieg untergegangenen – ‚alten Europa’: Fleck wurde mit seiner Familie in das Ghetto von Lwów, anschließend in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald deportiert, in denen er als Häftlingsarzt für die SS Impfstoffforschung leisten musste.


Schriften:

Ludwik Fleck: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Mit einer Einleitung herausgegeben von Lothar Schäfer und Thomas Schnelle, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1980

Ludwik Fleck: Erfahrung und Tatsache. Gesammelte Aufsätze. Mit einer Einleitung herausgegeben von Lothar Schäfer und Thomas Schnelle, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1983







 
       Impressum kontakt@ludwik-fleck-kreis.org